„Es war einmal…“ #1 – Unter meinem Bett

Nach einer wahren Begebenheit…

Meine Augen öffneten sich rasch. Der Schlüssel, der im Schloss meiner Zimmertür rotierte, holte mich abrupt zurück in die Realität. Behutsam öffnete sie sich. Sanfte Schritte traten durch die Tür, in den dunkelen Raum. Meine Gliedmaßen erstarrten. Wie von der Medusa geküsst lag ich in meinem Bett. Wie versteinert. Meine Atmung stockte, als das Zimmer mit Licht durchflutet wurde. Die Schritte kamen näher. Dicht gefolgt von weiteren, kräftigeren Schritten. Die Lähmung zog sich weiter durch meinen Körper. Wie eine Leiche, vollkommen regungslos, lag ich da. Ich presste meine Augenlider fest zusammen, als die Schritte vor meinem Bett inne hielten. Flüsternde Stimmen drängten sich durch mein Schutzschild. „Wie ist sein Zustand heute Schwester Margret?“, Fragte eine tiefe, männliche Stimme. „Unverändert“, antwortete eine weibliche Stimme. Sie klang enttäuscht. Ich hörte wie jemand etwas von meinem Nachttisch nahm und etwas neues dort platzierte. „Er hat es wieder nicht angerührt“. Ihre Stimme klang verzweifelt. „Okay, Schwester“. Kräftige Schritte, entfernten sich zielgerichtet aus dem Raum. Ich verharrte weiterhin regungslos. Ein wärmendes und zugleich vertrautes Gefühl, strich über meine kalte Wange. „Wann kommst du endlich wieder zu mir zurück?“, flüsterte die wohlklingend, weibliche Stimme. Etwas feuchtes traf meine Wange und wich anschließend der Vertrauten Wärme. Erneut nahm ich kaum hörbare Schritte wahr. Sie entfernten sich. Das Licht verebbte. „Schlaf gut, kleiner Prinz. Mögen die Engel dich schützen und die Sterne dich leiten“, sagte die Stimme, bevor die Tür sich schloss. Mein Körper fing an zu zittern. Die Lähmung verabschiedete sich. Angst trat an ihre Stelle. Meine Hände wurden feucht. Nun war mir nicht mehr kalt. Ich erinnere mich wieder. Erinnerungen an einen Tag, den ich nie vergessen würde. Die Bilder vor meinem geistigen Auge waren glasklar. Fast so, als würde es erneut geschehen. Ich sah mich; meine Schwester Sarah und das Monster unter meinem Bett.

Es war der Abend vor Valentinstag. Meine Schwester Sarah und ich, gingen nach dem Abendbrot hoch in unser Zimmer. Wir spielten noch ein wenig mit unseren neuen Spielzeug, welches uns Vater von seiner Geschäftsreise mitbrachte. Die große Standuhr im Flur schlug neun Mal. Kurz darauf, öffnete Mutter die Tür. „Hey ihr Zwerge, es wird Zeit. Zähne putzen und dann ab ins Bett“. „Aber Mama, nur noch fünf Minuten“. „Keine Wiederrede, kein Wenn und auch kein aber Mama“, sagte sie mit einem Lächeln auf ihren Lippen. Meine kleine Schwester blickte ihr tief in die Augen. „Und schon gar kein herzerweichender Blick“. „Kann ich heute bei dir schlafen?“, entgegnete meine Schwester. „Hast du immer noch Angst Liebling?“. Sie nickte. Mutter ging zu ihrem Bett, welches parallel zu meinem stand. Sie hob die Bettdecke an, welche bis zum Boden reichte. „Buuuuuuhhh! Seht ihr, keine Monster“, sagte sie schmunzelnd.“ An Valentinstag haben auch Monster frei“, fügte sie hinzu. „Darf ich trotzdem bei Vater und dir schlafen?“. „Sei kein Baby!“, Sagte ich zu meiner Schwester. „Ich bin kein Baby“, zischte sie zurück. „Hey Schluss jetzt ihr zwei. Ihr seid beide noch Babys. Meine Babys.“ Sarah warf erneut einen Blick zu. „Also gut. Geh schon und Zähneputzen nicht vergessen“. Sarah verließ das Zimmer und Mutter kam auf mich zu. „Sei nicht immer so grob zu deiner Schwester. Mit vier Jahren darf man sich noch vor Monstern fürchten“.“ Und mit sieben Jahren?“, fragte ich sie während ich ins Bett stieg und sie mich zudeckte. „Hast du denn noch Angst?“ „Nein!“, das war gelogen. Ich wollte es nur nicht zugeben. „Na siehst du. Und selbst wenn du ein wenig Angst verspürst, dann ist das okay. Denn Angst ist wie eine Superkraft. Sie macht uns stärker“. Sie strich mir mit der Hand über die Wange und gab mir einen Kuss auf die Stirn. „Hast du schon Zähne geputzt?“. Ich nickte. Mutter lächelte. „Okay, dann schlaf nun mein kleiner Prinz. Mögen die Engel dich schützen und die Sterne dich leiten“. Sie ging aus dem Zimmer und ließ die Tür einen Spalt weit offen. Ich schloss meine Augen. Stille.

Ein dumpfer Knall. Ich riß meine Augen auf. Mein Herz schlug wie verrückt. „Es war wahrscheinlich nur ein Traum“, sagte ich mir. Erneut ein Knall. Diesmal etwas kräftiger, tiefer. Dann erneut, Stille. Durch den Spalt meiner Zimmertür, drang nix als Dunkelheit. Ich traute mich nicht aufzustehen. Vater sah es nicht gern, wenn wir nachts herumschlichen. Also versuchte ich wieder zu schlafen und schloss meine Augen. Nach wenigen geräuschlosen Minuten, hörte ich dann doch etwas. Ein kratzendes, schleifendes Geräusch durchdrang die Stille. Es wurde lauter. Es kam näher. Stille. Meine Zimmertür öffnete sich langsam. Ich hielt meine Augen geschlossen und tat so, als würde ich schlafen. Erneut drang dieses kratzige Geräusch an mein Ohr, dicht gepaart von schweren Schritten. Sie bewegten sich an mein Fußende entlang, bis zur gegenüberliegenden Wand am Ende des Zimmers. Dort stand immer ein Tisch mit zwei Stühlen. Sarah und ich haben dort immer gern gemalt oder gepuzzelt. Die Geräusche verebbten. Als nächstes hörte ich wie die Stühle über dem Boden gezogen wurden. Ein dumpfer Ton folgte, wie als wenn sich jemand hinsetzen würde. Die kräftigen Schritte ertönte erneut. Sie schritten in meine Richtung, an mir vorbei, aus der Tür hinaus. Ich war wie erstarrt. Für einen Moment lang, hatte ich das Gefühl unbeobachtet zu sein. Ich entschied mich, einen Blick zu riskieren. Langsam öffnete ich meine Augen. Sie mussten sich erstmal an die Dunkelheit gewöhnen. Dann sah ich sie. Der Umriss einer Person, am anderen Ende des Raums. Sie saß auf dem Stuhl, links neben denm Tisch. Sie sah mich an. Regte sich keinen Millimeter. Erkennen konnte ich sie nicht. Es war zu finster. Sie beobachtete mich. Das war klar zu erkennen. Ihre Augen funkelten im Dunkeln. Die schweren Schritte kamen zurück. Ebenso wie das kratzige Geräusch. Meine Augen kniffen sich zusammen. Die Geräusche bewegten sich erneut zum Tisch, am gegenüberliegenden Ende meines Bettes. Die Neugierde packte mich. Was ging hier vor sich? Ich wagte einen erneuten Blick. Nur diesmal war es anders. Der Schein einer Kerze, erhällte den hinteren Teil des Zimmers. Den Teil, wo die Person saß und mich beobachtete. Die Geräusche verklungen. Und eine Gestalt stand. Ein Fremder. Er stand mit dem Rücken zu mir vor dem Tisch, bückte sich und hob etwas vom Boden hoch. Ich erkannte nicht was es war, da sein breiter Rücken die Sicht versperrte. Es schien allerdings schwer zu sein. Mein Körper zitterte wie Espenlaub, als der Fremde ein paar Schritte zu Seite trat und die Sicht frei gab. Mutter… Vater. Meine Eltern saßen regungslos auf den Stühlen, links und rechts neben dem Tisch. Sie blickten mich mit weit aufgerissenen Augen an, als wollten sie mir etwas mitteilen. Das war alles, was ich erblickte, bevor mir die große Gestalt wieder die Sicht wieder genommen wurde. Der Fremde drehte sich zu mir um. Blitzschnell schlossen sich meine Augenlider. Stille. Lediglich mein Herzschlag war zu hören. Wie versteinert lag ich in meinem Bett. Ich hoffte das man mein zitterden Körper, unter der Decke, nicht bemerkte. Erneute Stille. Nach einigen ruhigen Momenten, riskierte ich einen weiteren Blick. Der Fremde nahm einen Malpinsel vom Tisch und strich ihn über Mutters Hals. Er war bedeckt mit dunkelroter Tinte. Vater lief sie am Kopf herunter. Es schien so, als würde er etwas an die Wand schreiben. Ich konnte eine sichelförmige Narbe auf seiner Hand erkennen. Mein Atem stockte abrupt. Er ließ den Pinsel fallen, drehte sich um und trat schnellen Schrittes an mich heran. Sein Atem prallte an mein Gesicht. Ich tat mein bestes so zu tun, als ob ich schlief. Tief und fest. Wie ein Stein. Sein Atem kitzelte meine Nase. Nein. Nicht jetzt. Nach einer gefühlten Ewigkeit, wich sein Atem aus meinem Gesicht. Mit festen Schritten, schritt er um mein Bett. Dann… Stille. Die Schritte wichen einem tiefen brummigen Atmen. „Sarah hatte Recht“, dachte ich, mit tränen in den Augen. …Da ist ein Monster unter dem Bett. Unter meinem. …. Sarah! Was war mit Sarah?. Ist sie wohl auf?, fragte ich mich. Der Fremde war unter meinem Bett. Das hieß er konnte nicht sehen ob ich meine Augen auf oder zu hattee. Ich öffnete sie und wünschte zugleich, es nicht getan zu haben. Denn ich sah meine Eltern. Mit ausgestreckten Armen, deuteten sie auf die Wand. „WIR WISSEN, DASS DU WACH BIST“, stand dort, versehen mit einem Lachgesicht. Gleich nachdem ich es las, wehte ein Windstoß durchs Zimmer und löschte die Kerze. Dunkelheit. Ich hörte sanfte Schritte Sie kamen näher. „Simon, wo sind Mutter und Vater?“ Ein Adrenalinstoßen fuhr durch meinem Körper. Wie fremdgesteuert, sprang ich aus dem Bett, nahm die Hand meiner Schwester und lief mit ihr so schnell wie möglich zur Eingangstür. Abgeschlossen. „Bitte geh auf!“, flehte ich vergebens. Hämmernde Geräusche kamen vom anderen Ende des Flurs. Ein lauter Knall, gefolgt von kräftigen Schritten, die auf uns zusteuerten. Er kam. „Hilfe. Hilfe. Hilfeee!“, schrie ich mit ganzer Kraft. Sarah weinte. Zwei kräftige Hände packten mich und hoben mich hoch. „Wir haben sie! Alles wird gut. Ihr seid nun in Sicherheit“, sagte eine männliche Stimme. Daraufhin öffnete ich wieder meine Augen, und sah einen Mann in Uniform. Er lächelte uns an. „Alles gut. Ihr seid nun in Sicherheit. Euch kann nichts mehr geschehen“. Der Mann ging mit uns durch die kaputte Hintertür, in der Küche nach draußen auf die Veranda. Zwei weitere Männer in Uniformen kamen auf uns zu und wickelten Sarah und mich in warme Decken. „Inspektor West“, sagte einer der Männer mit behutsamer Stimme. „Das sollten sie sich ansehen Sir“. „Gut, bleiben sie bei den Kindern“, wieß er den Mann mit den warmen Decken an. Sarah weinte immer noch. Eine ganze Weile später kam Inspektor West zurück. Und die Finsternis folgte ihm. Alles verstummte. Stille.

Meine Augen öffneten sich langsam. Es dämmerte draußen und die ersten Sonnenstrahlen fielen durch das vergitterte Fenster. Ich schaute hinaus, als die Tür sich öffnete. „Simon“, sagte eine weibliche Stimme erstaunt. Ich drehte mich um. „Du bist groß geworden, Sarah“, sagte ich lächelnd, als sie mir um den Hals fiel. „Das Zimmer hatte ich anders in Erinnerung“. “ Naja es hat sich so einiges verändert, weißt du?sagte sie, als eine weitere Person den Raum betrat. „Schwester Margret. Wie ich sehe ist unser Sorgenkind heute richtig munter“, sagte ein grauhaariger Herr im Artztkittel. „Hallo, mein Name ist Doktor Albert“, sagte er und streckte mir die Hand entgegen. Mein Körper fing an zu zittern. Eine sichelförmige Narbe zierte seinen Handrücken. Erneut hielt die Finsternis einzug. Stille.

…Fortsetzung folgt.

#Hylaria #Sidestories

Ich hoffe die Kurzgeschichte hat euch Gänsehaut beschert:)

Die Ereignisse, sowie einige der Figuren in dieser Kurzgeschichte, spielen im selben Universum wie mein aktuelles Buchprojekt „Hylaria“

Über eure Meinung, würde ich mich wie immer sehr freuen:)

Liebe Grüße,

– Chris

2 Gedanken zu “„Es war einmal…“ #1 – Unter meinem Bett

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