Hylaria #2 – Szene 1, erste Überarbeitung.

Hallo ihr lieben Würmer:)

Hier noch einmal die erste Szene aus dem ersten Kapitel, in der überarbeiteten Fassung. Nach wie vor noch nicht final und wahrscheinlich nicht ganz ohne Fehler. 🙂

Gefällt euch diese Version besser?

“Ab heute, wird sich dein Leben von Grund auf ändern”, sagte mir Jack, mit einem gewissen Wehmut  in seiner Stimme. Er richtete seine rote Krawatte. Mit ihr sah er aus, wie der Präsident höchst persönlich. Sein Blick war ernst. Meine Fingerspitzen tippten taktlos gegeneinander. Ich musterte den Laden. Das alte Atiquitäten-Geschäfft sah nach wie vor so aus, wie ich es in Erinnerung behielt. “Schön wäre es, aber einige Dinge ändern sich wohl nie”, murmelte ich, als er mir die kleine Schachtel, über die Theke mit dem Silberschmuck, schob. Ein goldener Ring, mit einem blauen Edelstein, mogelte sich dazwischen und stach mir sofort ins Auge. Er sah alt aus. Vermutlich ein Familienerbstück. Ich fragte mich wem dieser Ring einst gehörte. Wie verzweifelt muss ein Mensch sein um etwas so schönes und wertvolles, gegen eine Hand voll Kleingeld einzutauschen? Denn mehr würde er von Jack nicht bekommen. Ich wollte nicht zu viel darüber nachdenken, denn dieser Ort löste in mir ohnehin schon ein Unbehagen aus.  Als ich die Schachtel nahm, griff er meinen Arm und zog mich nah an sich heran. “Entschuldige Junge, mein Gehör ist wohl nicht mehr das Beste. Hast du eben etwas gesagt?”, fragte er sarkastisch. “Nein Sir” erwiderte ich. Mein Körper war wie erstarrt. Die Folgen seiner spontanen Stimmungswechel, waren mir wohl bekannt. “Was sind das für Dinge, die sich nie ändern?”, hakte er nach und festigte seinen Griff. “Du darfst nicht mehr in Angst leben”, sagte ich mir innerlich und atmete tief durch.  Langsam erlangte ich die Kontrolle über meinen Körper zurück. “Zum Beispiel das du besser beraten wärst, dir ab und an ein Pfefferminz zu gönnen, bevor du mit deiner Umwelt in Kontakt trittst”. Ich löste seinen Griff mit einen Hieb gegen seinen Arm und steckte die Schachtel, in die rechte Tasche meines schwarzen Mantels. Jacl sah mich verwundert an. “Ganz schön mutig von dir, Junge. Es scheint so, als wären dir über Nacht Eier gewachsen”, sagte er überheblich. Ich wandte meinen Blick von ihm ab. “Schau mich gefälligst an, wenn ich mit dir rede Junge.”, fuhr er mit erhobener Stimme fort. Ich zuckte zusammen. Gleich darauf, atmete ich erneut tief ein und nahm all mein Mut zusammen. “Erstens, du hast mir schon lange nichts mehr zu befehlen. Schon gar nicht was ich zu Tun, oder zu Lassen habe. Zweitens, ich bin kein Junge mehr. Also höre auf mich so zu nennen. Du bist nicht mein Vater. Das warst du nie und wirst es auch nie sein. Und drittens bin ich nur hier, um das zu holen, was mir zusteht. Das Einzige, was Mutter mir nach ihrem Tod….” “Sei still!”, schrie Jack. “Was fällt dir ein. Du hast nicht das Recht über sie zu reden?  Was glaubst du wen du vor dir hast? Du bist doch schuld an allem, was damals geschah. Wenn du nicht gewesen wärst, wären sie heute noch am Leben. Sie und…”. Jack verstummte. Der schrille klingeltonn meines Telefons stoppte ihn in seinem Redefluss. “Du solltest lieber dran gehen Junge, es könnte wichtig sein”, sagte er zornig. Ich griff nach meinem Telefon, dass sich in der rechten Hosentasche meiner dunkelgrauen Jeans befand. Ich zog es heraus und schaute auf das Display. Unbekannte Nummer. Das war nun schon das dritte mal an diesem Tag, dass mich jemand mit unbekannter Nummer anrief. Ich nahm das Gespräch an. “Hallo”. Keine Antwort. Genau wie bei dem ersten Anruf, war lediglich ein Hintergrundrauschen war zu vernehmen. “Hören sie mir zu. Sie müssen sich verwählt haben. Rufen sie bitte nicht mehr an”, bat ich den annonymen Anrufer und beendete das Gespräch. Merkwürdig. Ich konnte mich nicht daran erinnern, je ein Anruf mit unterdrückter Nummer bekommen zu haben. Für einen Moment lang schloss ich die Augen und sammelte meine Gedanken. Jack sah mich prüfend an. “Mutter ist nicht wegen mir gestorben. Ich war noch ein….”. “Kind? Ein Kind? Wolltest du das sagen?”, fiel er mir ins Wort. “Du warst nie nur ein normales Kind”. Er senkte seinen Blick. “Deine Mutter glaubte das, als wir dich aus dem Heim zu uns holten. Wir konnten selbst keine Kinder bekommen, wusstest du das?”, sagte er mit ruhiger Stimme. Ich schüttelte den Kopf. “Du trägst etwas besonderes in deinen Herzen, meinte deine Mutter und hat sich direkt in deine grünen, traurigen Augen verliebt”. Mir verschlug es die Sprache. Noch nie hat er so offen mit mir über sie gesprochen. Wenn ich so darüber nachdenke, haben wir im Grunde nur das nötigste miteinander geredet. “Ich wusste es allerdings besser. Da war noch was anderes. Etwas dunkles”, fügte er hinzu. Jack wirkte auf mich nervös “Deine ständigen Alpträume, Wutanfälle und Angstzustände. Das alles hat sie so sehr gestresst, dass sie eines Tages daran…” Eine träne lief über seine Wange. Ich wusste nicht was ich sagen soll. “Im Krankenhaus erfuhr ich, dass sie schwanger war.”Jack, das wusste ich nicht”. “Ich musste ihr versprechen das ich gut auf dich Acht gebe und für dich sorge, bevor sie starb”. Ein dicker Kloß steckte mir im Hals “Für mich sorgen? Du warst nie für mich da, Jack!”, entgegnete ich ihn zornig. “Ich war auf mich allein gestellt und musste mir alles selbst beibringen. Musste lernen, mit dem Verlust allein klar zu kommen. Die einzige Art von Fürsorge, die du mir je entgegengebracht hast war, dass du mir nicht ins Gesicht geschlagen hast, damit in der Schule keiner unangenehme Fragen stellt”. Wie hätte SIE das wohl gefunden, Jack!?”, fragte ich. Er hielt für einen Moment Inne und strich sich mit der linken Hand über den Mund. Mir ist sehr wohl bewusst, dass ich dir, deiner Meinung nach, in der Vergangenheit nie gerecht wurde. Aber nur so…..” Jack wurde von dem Klingeln meines Telefon unterbrochen. “Du solltest ran gehen. Wir führen das Gespräch zu gegebener Zeit zu Ende”. Er wendete sich von mir ab und ging durch einen Vorhang in das Hinterzimmer. Aber nur so…? Was wollte er mir sagen? Mein Telefon, klingelte nach wie vor. Schon wieder. Unbekannte Nummer. „Wer mag das nur sein?“, fragte ich mich. So allmählich wurde es penetrant. Ich hielt das Telefon in der Hand, schaute es zögernd an und wischte den grünen Telefonhörer zur Seite um das Gespräch entgegen zu nehmen. “Hallo”, sagte ich, doch erhielt wieder keine Antwort. Einzig und allein das Rauschen war zu hören.  “Wer ist denn da?”. Erneut nur Rauschen. Doch da war noch etwas anderes. Im Hintergrund. Es klang wie ein Atmen. “Man kann ihr Atmen hören”. Immer noch keine Antwort. “Hören sie zu. Ich weiß nicht wer sie sind, geschweige denn was sie von mir wollen. Ich weiß nur das sie aufhören sollen mich..”. “…in großer Gefahr!” unterbrach mich eine Stimme. “… ist Zeit. ….jetzt gehen. …dort nicht mehr … Sicherheit”. Es fiel mir schwer alles klar zu verstehen. Das Rauschen verschluckte einige Wörter. Ich war verwirrt. “Entschuldigen sie, aber sie müssen sich verwählt haben. Hier ist niemand in Gefahr und ich hab heute meinen freien Tag. Demnach gehe ich nirgendwo mehr hin, außer nach Hause..”, sagte ich mit einem Lächeln. “Wen wollen sie denn sprechen und wer sind sie eigentlich?”. Wieder nur Rauschen. “Verarschen sie jemand anderen. Auf Wieder…”. “Samuel, … beeilen bevor es zu spät… . Nimm den Schlüssel und…”. Das Rauschen wich nun einem rythmischen Piepton. Das Gespräch würde beendet. Mein Herz schlug mir bis zum Hals. Tausende Fragen schossen mir durch den Kopf. Wer war diese Person? Woher hat er meine Nummer? Welche Gefahr? Schlüssel? Ich schaute aus dem Fenster. Meine Augen überprüften jeden Winkel in der Umgebung. Beobachtet er mich und wenn ja,  seit wann?…. Meine Hände waren schweißgebadet, denn ganz gleich wie viele Fragen mir in den Sinn kamen, eine Frage tauchte immer wieder auf. Woher kannte er meinen Namen, Meinen ECHTEN Namen? Bis heute dachte ich jeder der diesen Namen kennt wäre fort, um genau zu sein Tod. Die einzigen die diesen Namen kannten, waren meine Pflegeeltern. Vor einigen Jahren fand ich einen Brief, zwischen den Unterlagen meiner Pflegemutter, in dem dieser Name stand. Ich fand einige Wochen später heraus, dass man mich mit dem Brief vor der Tür des Waisenhaus entdeckte. Doch niemand nannte mich Samuel. Seitdem  ich denken kann, nennt man mich Sam. So steht es auch in meinem Pass. Sam Walker. Ein kalter Schauer lief mir den Rücken herunter. Könnte es sein, dass der unbekannte Anrufer mehr über mich und meine Vergangenheit wusste? Woher ich komme? Wer meine Eltern sind?… Fragen über Fragen. Mein Kopf explodierte. Im laufe der Zeit fand ich mich damit ab, nicht zu wissen wo meine Wurzeln liegen. Das hat sich nun erledigt. Jack behielt Recht. Mein Leben, besser gesagt die Sichtweise auf mein Leben, änderte sich von Grund auf. Ich wollte endlich Licht ins dunkel bringen und erfahren, wer ich wirklich bin. Ich durfte nicht mehr in Angst leben. Ein lauter Knall riss mich aus meinen Gedanken. Es kam aus dem Lager, indem Jack verschwunden war. “Jack, alles okay?”. Ich ging hinter die Theke. Meine rechte Hand schob den Vorhang ein Stück zur Seite. “Sam, verschwinden. Jetzt!!, drang es aus dem Lager. Meine Beine traten einige Schritte zurück. Wahrscheinlich hat er wieder eine seiner Stimmungsschwankungen und es wäre wohl das Beste zu gehen, bevor ich mich wieder vor einem fliegenden Teller ducken musste. Davon abgesehen, verriet mir mein Blick auf die Uhr, dass ich ohnehin schon zu spät dran war. Mia hatte mich überredet, heute an unserem Jahrestag, mit ihr in den Zirkus zu gehen. Ich hasste Clowns. Außerdem empfand ich es, als Tierpfleger, für Quälerei, wie die Tiere im Zirkus gehalten werden. Das wusste sie. Mir blieben also zwei Möglichkeiten. Möglichkeit A: Ich schlafe heute Nacht auf der Couch. Oder Möglichkeit B: Ich springe über meinen Schatten und beobachte, wie eine gestandene junge Frau, zum glücklichen kleinen Mädchen mutiert. Die Entscheidung lag auf der Hand. “Gut, ich gehe Jack”, rief ich entschlossen. Ich drehte mich um und ging zur Eingangstür. Als ich endlich den Laden verließ und mich auf dem Weg zu meiner Verabredungmit Mia begab, erstarrte ich für einen Augenblick. Mein Telefon klingelte. Unbekannte Nummer.

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